Vaulfen – Die Kraft der Liebe

Hallo Ihr Lieben,

mir war mal wieder nach „Schreiben“…. manchmal fliesst es einfach so aus mir heraus und ich bringe eine Geschichte wie diese in einem Zuge aufs Papier. Vaulfen kommt aus dem Altschwedischen und bedeutet Werwolf. Diese Kurzgeschichte ist allerdings nicht für Kinder, sondern nur für Erwachsene gedacht. Daher wird sie hier auch nur zu 2/3 erscheinen, denn es wird, sagen wir mal, etwas „delikat“…
Wer das Ende der Geschichte lesen möchte, der Kommentiert hier und hinterlässt seine Email-Adresse oder schreibt mir auf Facebook – der letzte Teil von Vaulfen kommt dann per Mail.

Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch und ich würde mich wirklich über eure ehrliche Meinung freuen. Viel Spass beim Lesen – zögert nicht, das Ende anzufordern…. es lohnt sich!!

Eure Yona ♥


banner_vaulfen_teil1Vaulfen – Die Kraft der Liebe

Sara horchte auf. Der Wald hatte sich verwandelt. Eine beunruhigende Stille hatte sich ausgebreitet. Selbst der Wind, der sanft die Blätter zum Klingen gebracht hatte, war verstummt. Beunruhigt schaute sie sich um, konnte aber nichts Bedrohliches entdecken.

Doch was war das? Ein leises Grollen. Sie spähte angestrengt nach rechts. Da wieder dieses Grollen. Jetzt kam es direkt von vorne. Sara hielt die Luft an. Aus dem Dickicht starrten sie zwei gelbe Augen an. Instinktiv senkte sie ihren Blick, sie wollte dieses Wesen, was auch immer es war, nicht provozieren.

Die Büsche raschelten und ein riesiger Wolf kam zum Vorschein. Seine Muskeln waren gespannt, bereit, seine Beute anzuspringen. Noch zögerte der Wolf. Sein Opfer machte keine Anstalten, fort zu laufen. Das irritierte ihn. Vorsichtig kam er noch einen Schritt näher, in der Erwartung sein Opfer dazu zu bringen, zu fliehen. Er nahm den Geruch von Angst wahr und wollte jagen. Doch dieser Mensch bewegte sich nicht. Endlich beschloss er, seine Beute anzugreifen. Er setzte zum Sprung an und…

Sara hatte jede Bewegung des Tieres aufmerksam beobachtet und in dem Moment, in dem er sprang, ließ sie sich auf den Rücken fallen und bot ihm ihren Hals dar. Damit signalisierte sie ihm ihre Unterwürfigkeit. Sie wusste nicht, ob es ihr etwas nützen würde, aber es war ihre einzige Chance. Im Sprung registrierte der Wolf das unterwürfige Verhalten des Menschen und reagierte instinktiv. Der Geruch war der eines Menschen, aber das Verhalten dass eines Wolfes. Also landete er mit seinen riesigen Tatzen auf der Brust der Frau und drückte seine Zähne leicht in ihre Kehle.

Sara schloss die Augen in der Erwartung, dass sich scharfe Zähne in ihre Kehle bohren und ihr das Leben aussaugen würden. Jeder Muskel ihres Körpers verkrampfte sich, doch der tödliche Biss blieb aus. Die Minuten verstrichen und wurden zu Stunden, doch nichts passierte. Trotz  dieser extremen Lage war Sara schließlich vor lauter Erschöpfung eingeschlafen.

Die  Nacht begann langsam, sich dem Ende zu neigen. In dem Wolf tobten immer noch widersprüchliche Gefühle. Als eine Veränderung in ihm vor sich ging. Er wusste, was jetzt kam und versuchte, so gut es ging, sich dabei zu entspannen. Dafür musste er seine Zähne vom Hals lösen.

Als die Frau nun erwachte, spürte sie immer noch den Druck auf ihrem Brustkasten, aber ihr Hals war frei. Vorsichtig wagte sie es, ihre Augen zu öffnen und ihren Kopf leicht zu heben.

Was sie nun sah. verwirrte sie. Ein junger Mann lag mit seinem Kopf auf ihrer Brust. Überrascht sah sie sich um. Von dem Wolf war nichts mehr zu sehen. Als sie den Mann nun genauer betrachtete, bemerkte sie, dass er nackt war.

Abrupt hob der Mann den Kopf und schaute sie an. Dieser Blick ließ sie erschaudern. Es waren dieselben goldgelben Augen, die sie in der Nacht gesehen hatte. „Was wollt ihr von mir?“ fragte Sie ängstlich. Der Mann, der sich unmittelbar nach seiner Verwandlung immer erst wieder orientieren musste, brauchte einen Moment, um sich zu erinnern.

Vorsichtig gab er sie frei. Seine Sinne waren immer noch gesteigert und so registrierte er, dass sie immer noch nach Angst roch. „Ihr seid ein Werwolf!“ stellte Sara fest. „Ihr habt mich nicht getötet. Was wollt ihr von mir?“ Mit jeder Sekunde wich ihre Angst und sie fand zu ihrer alten Selbstbewusstheit zurück.

Der Mann antwortete ihr nicht. Er sah sie nur an. Was für eine Frau. Mutig und wunderschön. Der Geruch von Angst war jetzt völlig verschwunden und er nahm nur noch den betörenden Geruch von Weiblichkeit war.

Sara war sich jetzt sicher, dass der Mann ihr momentan nichts tun würde, also richtete sie sich langsam auf und verließ, den jungen Mann nicht aus den Augen lassend, rückwärts gehend die Lichtung. Nach einigen Schritten drehte sie sich um und ging zurück zum Dorf. Sie zwang sich, nicht zurück zu blicken.

Am Waldrand angekommen überlegte sie kurz, was nun zu tun war. Sollte sie dem Büttel von ihrem Erlebnis berichten? Aber es war eine gefährliche Zeit für Frauen, die in Vollmondnächten im Wald Kräuter sammelten. Außerdem, wie sollte sie erklären, warum der Werwolf sie verschont hatte. Nein, wenn sie nicht auf dem Scheiterhaufen landen wollte, musste sie alles für sich behalten.

Es verstrichen einige Wochen und nichts Außergewöhnliches geschah. Langsam gingen Sara die Kräuter zu Neige und für Alraunen war die ideale Erntezeit. Sollte sie es also wagen, noch mal in den Wald zu gehen? Wenn sie sich nicht von ihrer Angst beherrschen lassen wollte, dann musste sie gehen. So bereitete sie sich am nächsten Abend darauf vor, wieder Kräuter pflücken zu gehen.

Sie hatte die Kräuterkunde von ihrer Großmutter gelernt. Die alte Frau hatte sie nicht nur die physische Wirkung der Pflanzen auf die Lebewesen gelehrt, sondern auch die Geistige. Jede Pflanze hat ihre ganz eigene Energie. Diese Energie bleibt aber nur erhalten, wenn man achtsam mit den Pflanzen umgeht, man vorher um Erlaubnis bittet und als Dank ein Geschenk für die Natur zurücklässt. Aus diesem Grund hatte Sara immer Kleinigkeiten in  ihrem Beutel. Steine, Federn, Nüsse und anderes mehr.

Besonders stark war die Energie in bestimmten Pflanzen, wenn sie bei Vollmond gepflückt wurden. Dann war die weibliche Energie besonders präsent und Erkrankungen, die mit einem Überfluss an männlicher Energie oder einem Mangel an weiblicher Energie zu tun hatten, konnten damit besonders gut geheilt werden.

Da in dieser Zeit die männliche Energie dominant war, wurde die weibliche Energie als Ausgleich dringend gebraucht.

Bevor Sarah losging unterzog sie sich immer einer rituellen Waschung. Dann bat sie darum, an die richtigen Stellen geführt zu werden. So im Einklang mit sich und der Natur machte sie sich dann auf den Weg.

Sie wollte gerade mit ihrer Waschung beginnen, da hörte sie die Glocken läuten. Irgendetwas war passiert. Eilig lief sie zum Marktplatz, wo sich schon andere Dorfbewohner eingefunden hatten und den Büttel umringten.

„Ein riesiger Werwolf treibt hier in der Nähe sein Unwesen. Gerade wurde im Wald eine übel verstümmelte Leiche entdeckt. Daneben wurden Wolfsspuren gefunden. So große habe ich noch nie gesehen. Das kann kein normaler Wolf sein! Männer bewaffnet euch und folgt mir in den Wald. Frauen und Kinder, verschanzt euch in euren Häusern und betet!“ Entsetztes Geschrei brach los und alle liefen kreuz und quer.

„Na gut. Dann wird heute wohl nichts aus dem Kräutersammeln.“ Verdrießlich ging Sara in ihr Haus zurück. Sicherheitshalber verschloss sie die Fensterläden und verriegelte die Türe.

Sie war schon eingeschlafen, da kratzte es an ihrer Tür. Sie horchte auf. Nichts mehr. Doch da. Ein Kratzen war es aber nicht, es war ein Klopfen! Langsam stieg sie von ihrem Strohlager. Nahm den Schürhaken von der Feuerstelle und schlich zur Tür. „Wer da?“ fragte sie.

Es kam durchaus vor, dass sie nachts zu einem Patienten gerufen wurde, aber die Leute sagten, wer sie waren und wer ihre Hilfe benötigte. Doch nun war nur dieses Klopfen zu hören. Nach kurzem Zögern öffnete sie die Tür einen Spalt und ein nackter Mann fiel ihr entgegen. Der Werwolf! Sie erschrak, doch als sie auf ihn herunter sah, bemerkte sie seine schwere Wunde am Oberschenkel und dass er halb bewusstlos war.

Ohne lange nachzudenken, zog sie ihn ins Haus und schloss die Tür. Schnell zündete sie einige Kerzen an. Dann schaute sie sich die Wunde des Mannes an. Ein Bolzen hatte ihn am Bein getroffen. Der Pfeil musste ein großes Gefäß getroffen haben  Anscheinend hatte der Werwolf versucht, den Bolzen aus seinem Bein zu ziehen, das hatte das Ganze aber nur noch verschlimmert und das Blut strömte nur so aus der Wunde. Um diese Blutung zu stoppen, band sie erst einmal das Bein ab. Eine Technik, die sie eigentlich nicht gerne anwendete, denn wenn das Bein zu feste abgebunden wurde und es nicht mehr genügend mit Blut versorgt wurde, konnte es absterben. Doch um die Blutung stoppen zu können, benötigte sie erst noch einige Vorbereitung. Also  musste sie es in diesem Fall tun.

Eilig legte sie einige saubere Leinenbinden zurecht und holte einen Topf mit Honig, so wie einen Krug mit Wasser. Nachdem sie sich die Hände gewaschen hatte, zog sie vorsichtig den Bolzen heraus und reinigte die Wunde. Dann drückte sie ein mit Honig getränktes Tuch auf die Wunde. Nachdem sie eine Bandage darum gewickelt hatte, löste sie das Tuch wieder, mit dem sie sein Bein abgebunden hatte.

Unter größer körperlicher Anstrengung hievte sie den Verletzten auf ihr Strohlager. Sodann schürte sie das Feuer und setzte einen Tee aus Heilkräutern auf. Diese sollten den Körper stärken und die Blutproduktion fördern. Während der Tee zog, begann sie, die Blutspuren auf ihrem Lehmboden zu beseitigen.

Sara schrak auf, als sie von draußen das Rufen von Männern hörte. Die hatte sie ja ganz vergessen! Der Verletzte musste eine deutliche Blutspur hinterlassen haben und selbige würde die Häscher direkt zu ihrem Haus führen. Schnell zog sie dem Verletzten eine Decke über den Kopf und löschte das Feuer. Keine Sekunde zu früh. Schon pochte es an der Tür. „Kräuterweib, öffnet die Tür!“

„Wer ist da?“ Fragte sie und sie musste ihre Stimme nicht mal verstellen, ihre Stimme bebte vor Angst. „Ich bin es, Büttel Emil und die Männer vom Dorf! Öffnet die Tür, sofort!“

Mit zitternden Knien schob sie den Riegel zur Seite und öffnete die Türe einen Spalt. „Habt ihr die Bestie erwischt?“ fragte sie  „Nein, aber ihre Spur führt uns direkt zu eurer Tür. Könnt ihr uns etwas dazu sagen?“ fragte der Büttel und beobachtete sie dabei aufmerksam. „Es war entsetzlich!“ stöhnte Sara auf. „Ich dachte dieses Biest reißt meine Tür ans den Angeln. Es hat gekratzt und geheult. Ich bin fast gestorben vor Angst.“

„Es ist merkwürdig. Die Spur endet genau vor eurer Tür. Seid ihr ganz sicher, dass niemand ins Haus gekommen ist? Lasst uns rein, dann können wir uns selbst davon überzeugen.“ Ohne weiter um Erlaubnis zu fragen drückte der Büttel die Tür auf und betrat das Haus. „Warum ist der Boden hier so nass?“ „Als das Biest auf meine Tür eingedroschen hat, habe ich mich so erschreckt, dass ich aus Versehen den Nachttopf umgestoßen habe.“ Angewidert verzog der Büttel das Gesicht.

Er wollte den Raum weiter untersuchen, doch Sara drückte sich an ihn und schluchzte: „Ihr werdet die Bestie doch fangen! Oder? Ich werde kein Auge mehr zu tun, bis das Ungeheuer zur Strecke gebracht worden ist.“ Dem Büttel war dieses klammernde Weibsstück unangenehm und so verließ er die Hütte so schnell es ging wieder. Erleichtert verschloss Sara hinter den Männern die Tür und atmete auf. Wie leicht man Männer doch täuschen konnte!

Es dauerte einige Tage, bis der Verwundete wieder zu sich kam. Sie pflegte ihn, so gut sie konnte und sie war froh dass sie momentan nur Hausbesuche hatte. Dann sie wusste, wen man den Werwolf hier finden würde, dann müsste auch sie sterben.

Es war später Nachmittag, als der Fremde das erste Mal wieder die Augen öffnete. Es dauerte einige Zeit, bis seine Erinnerung wieder kam. „Ihr habt mir das Leben gerettet.“ sagte er mit rauer Stimme. „Vielen Dank!“

„Ich bin Heilerin und es ist meine Pflicht, den Menschen zu helfen, die es nötig haben. Wie heißt ihr und wo kommt ihr her?“ „Ich heiße Jan und komme aus einem Dorf ganz weit im Norden. Dort wo die Berge den Himmel berühren.“

Jan schloss die Augen und flüsterte: „Ich habe einen Menschen getötet.“ „Ja, Erik, den Köhler. Man hat ihn mit durchgebissener Kehle gefunden. Warum habt ihr das getan?“ „Es ist schwer zu erklären. Wenn ich zum Werwolf werde, erwacht in mir ein fremder Instinkt. Ich gerate in Jagdfieber. Es ist wie ein Blutrausch. Normalerweise jage ich Tiere, die ich dann fresse. Ich hatte gerade einen Hasen erlegt, da kam er mir in die Quere. Ich habe meine Beute verteidigt. Natürlich wollte er mir das Kaninchen nicht streitig machen. Er war einfach nur unvorsichtig. Doch als Werwolf folge ich meinem Instinkt und der sagte mir da ist ein Rivale.

Wenn ich es könnte, würde ich es wieder rückgängig machen. Aber es geht nicht.“

Der Verletzte brauchte noch einige Tage, um sich wieder zu erholen. In dieser Zeit redeten sie nicht mehr über dieses Thema. In der Zwischenzeit durchstreiften die Männer des Dorfes den Wald auf der Suche nach dem Werwolf.

Sara mied in dieser Zeit den Wald. Sie galt zwar als wunderlich, aber solch ein Verhalten wäre zu verdächtig gewesen. Also pflegte sie ihren Kräutergarten und ließ sich besonders viel Zeit mit ihren Patienten. Sie gönnte sich selber keine Pause, denn dann wäre sie ins Grübeln gekommen.

Eines Morgens, Sara war gerade dabei, sich für die Hausbesuche fertig zu machen, da hielt Jan sie zurück. „Ich verstehe dich nicht. Du rettest mir das Leben, versteckst mich hier und pflegst mich. Gleichzeitig meidest du mich. Warum tust du das?“ Sara schloss für einen Augenblick die Augen und atmete tief durch.

Das war die Frage, die sie sich selber nicht zu stellen wagte. Sie spürte seinen Blick auf sich ruhen, was sie noch nervöser machte. „Ich habe es dir doch erklärt. Ich fühle mich verpflichtet, Menschen zu helfen, die verletzt sind. Ich bin schließlich Heilerin.“ Sie wusste, dass sie ihn nicht täuschen konnte, aber was sollte sie denn sagen?

„Es gehört aber nicht zu den Aufgaben einer Heilerin, einen Mörder zu verstecken.“ Er hielt ihren Oberarm fest und zog sie ganz nah zu sich heran. Seine Augen bohrten sich in ihre und sie hatte das Gefühl, als könne er bis in ihre Seele hineinschauen und sie erschauderte. Langsam näherten sich seine Lippen den ihren und Sara war versucht, sich fallen zu lassen, doch im letzten Moment drehte sie den Kopf weg. War sie denn noch bei Verstand?

Energisch machte sie sich von ihm los und eilte zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal halb um und sagte: „Ich glaube, du bist soweit wieder in Ordnung, dass du meine Hilfe nicht mehr benötigst.“

„Ich danke dir und ich werde dir nicht mehr zur Last fallen.“

Sara fand alle möglichen Ausreden, um nicht nach Hause gehen zu müssen. Schließlich zwang sei sich aber doch dazu. Es dämmerte schon und sie fürchtete und hoffte gleichzeitig, das, was sie dort vorfinden würde. Ihre Wohnung was leer genau so leer, wie sie sich fühlte.

Müde setzte sie sich auf ihr Strohlager und streifte geistesabwesend über das Bettlaken. Er war also tatsächlich gegangen.

Die Tage verstrichen und die Aufregung legte sich allmählich wieder. Sara war noch mehr in sich gekehrt als sonst. Statt in den Wald zu gehen, um Kräuter und Wurzeln zu suchen, wurde sie jetzt häufig in ihrem Kräutergarten gesehen.

Zwei Vollmonde ließ sie ungenutzt verstreichen, bevor sie beschloss, sich wieder in den Wald zu wagen. Als es endlich so weit war, schlich sie sich heimlich aus dem Dorf. Wie eine Diebin kam sie sich vor, dabei ging sie doch nüchtern betrachtet nur ihrer Arbeit nach. In dieser Nacht achtete sie darauf, nicht zu tief in den Wald einzudringen. Bei jedem Geräusch horchte sie auf. Aber es geschah nichts Außergewöhnliches.

Immer häufiger wagte sie sich jetzt in den Wald. Sie war schließlich eine Kräuterfrau und viele Pflanzen, die sie täglich brauchte, gab es nun mal nur dort. Rümpften anfangs einige Dorfbewohner noch die  Nase, so beachtete sie bald keiner mehr. Sara begann sich wieder freier zu fühlen und genoss es so richtig, die Zeit in ihrem geliebten Wald  zu verbringen.

Auch beim nächsten Vollmond ging sie wieder in den Wald. Ganz eins mit sich und der Natur, ließ Sara sich von ihrem Gefühl immer weiter in den Wald führen.  Schließlich kam sie zu einer Lichtung, die in ihr widersprüchliche Gefühle erweckte. Angst, aber auch eine unbekannte Sehnsucht. Hier hatte die erste Begegnung mit Jan stattgefunden. Wo war er wohl jetzt?  Mied er diesen Waldabschnitt, aus Furcht, geschnappt zu werden, oder führten ihn seine Instinkte wieder hier her. So wie sie? Ohne es so recht zu bemerken, suchte sie den Boden nach Fußspuren ab. Nichts! Auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollte, sie war doch etwas enttäuscht.

Sara schüttelte sich heftig, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Krampfhaft versuchte sie sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Wie von Geisterhand geführt ging sie immer weiter in den Wald hinein. Anfangs sammelte sie noch einige Kräuter. Aber immer seltener bückte sie sich. Schließlich erreichte sie ein Dickicht, in dem etwas hing. Sara konnte es nicht genau erkennen und ging langsam näher. Es waren Kleidungsstücke.

Doch bevor sie sich Gedanken darüber machen konnte, nahm sie ein leises Knurren wahr. Dieses Knurren kannte sie und es ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Der Werwolf!

Langsam drehte sie sich um und schaute in die mittlerweile vertrauten goldgelben Augen. Wieder entwich seiner Kehle ein Knurren, aber es klang nicht wirklich bedrohlich. Sara hielt ihm vorsichtig die Hand hin und der Wolf kam zögernd auf sie zu. Er schnupperte an ihrer Hand, und dann leckte er sie. Vorsichtig streichelte Sara seinen Kopf und begann, ihn hinter den Ohren zu kraulen. Wohlig lehnte er seinen großen Kopf gegen ihren Bauch und rieb seine Schnauze genüsslich an ihr. Sara fühlte, wie eine wohlige Wärme sie erfüllte.

Sie setzte sich gegen einen Baumstamm gelehnt hin und der Wolf legte seinen Kopf in ihren Schoß. Hingebungsvoll streichelte sie seinen Kopf und Rücken, beugte sich über ihn und vergrub ihre Nase in sein glänzendes Fell. Irgendwann schlief Sara mit dem Werwolf im Arm ein. Unmittelbar danach schlief auch das Tier ein.

………… Fortsetzung auf Anfrage.

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