Guten Rutsch & Ritter Balduin und der Drache! – Teil 5

Yonas Atelier wünscht allen Lieben

einen guten Rutsch ins neue Jahr


Geniesst die Wartezeit bis zur Silvesternacht mit dem 5. und letzten Teil meiner Geschichte vom Ritter Balduin und seinem Drachenfreund…..


„Am besten ist es, wenn wir im Morgengrauen ankommen. Dann schlafen die meisten noch und es gibt keinen Aufruhr. Gibt es in der Burg eine Stelle, wo ich gut landen kann und nicht so leicht gesehen werden kann?“ fragte der Drache und Balduin dachte angestrengt nach. „Bei deiner Größe ist das etwas schwierig, aber vielleicht kannst du auf dem Ostturm landen. Dort wohnt niemand und er ist von der Stadt aus nicht so gut zu sehen. Dort könntest du mich absetzen. Soweit ich weiß ist der Turm nicht verschlossen und ich kann von da aus in den Hof gelangen. Dann werde ich dafür sorgen, dass keiner in Panik gerät, wenn du im Hof landest.“

„Gut, dann wäre das geklärt. Lass uns noch einen Moment verschnaufen und dann stürzen wir uns ins Abenteuer.“ „Wir befinden uns doch schon längst in einem Abenteuer. Und was für einem!“ Rief Balduin aus. „Sag mal Grrraaan, wieso hat Das Drachenblut eigentlich so eine heilende Wirkung?“ „Es ist nicht das Drachenblut an sich, das die Heilung bringt. Das Blut ist nur der Trägerstoff. Wir lassen Energie in das Blut fließen. Energie von der Sonne, dem Wind, dem Himmel und der Erde, die wir in uns gespeichert haben. Diese Energie macht unser Blut so wertvoll! Deshalb muss das Blut auch frisch sein und freiwillig von einem Drachen gegeben werden.“

„Wenn ich dich getötet hätte, dann wäre dein Blut also völlig wertlos gewesen!“ „Ja, aber wie hättest du mich denn mit deinem Zahnstocher töten können? Wenn du nicht die Drachensprache beherrscht hättest, hätte ich dich verspeist. Obwohl ich bezweifle, dass du mir geschmeckt hättest.“ „Ja, das war wirklich Glück! Ich habe die ganze Zeit Überlegt, wie es sein kann, dass wir uns verständigen können. Könnte es an diesem Stein hier liegen?“ Balduin zog den Stein, den er von der Alten Nehle bekommen hatte aus seinem Wams und zeigt ihn dem Drachen. „Er soll früher einmal einem Eremiten gehört haben, der mit den Drachen sprechen konnte.“

Neugierig getrachtete und beschnüffelte Grrraaan den Stein. „Ja, du hast Recht. Dieser Stein, besitzt magische Kräfte. Pass gut auf ihn auf!“ Jetzt wo Balduin den Wert des Steines kannte, steckte er ihn nicht mehr achtlos in seinen Wams sondern verstaute ihn sorgfältig in einem kleinen Beutel, den er an seinem Gürtel befestigte. „Sag mal Grrraaan, hast du eigentlich nie Hunger? Ich habe dich nicht einmal essen sehen.“ „Wir Drachen ernähren uns hauptsächlich von Licht. Die Sonne lädt unsere Energiespeicher auf und wenn wir uns nicht allzu sehr verausgaben, können wir ohne andere Nahrung auskommen. Nur, wenn wir uns sehr anstrengen, brauchen wir Fleisch.“

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da landete Grrraaan mit Balduin auf dem Ostturm. Es war eine recht unsanfte Landung, bei der Balduin etwas am Hals des Drachen hoch rutschte. Und da passierte es. Durch die scharfen Schuppen des Drachen riss der Lederriemen, an dem der Beutel mit dem Drachenstein befestigt war und viel in den Burggraben. Balduin war so damit beschäftigt, nicht runter zu fallen, dass er seinen Verlust gar nicht bemerkte. Erleichtert stieg er von Grrraaan ab und sagte ihm, er solle hier warten, bis er ihn rufe. Balduin war so aufgeregt, dass er gar nicht bemerkte, dass der Drache nicht mehr mit ihm redete, sondern nur ein Knurren von sich gab. Eilenden Schrittes lief er die Treppen runter und stürmte auf den ersten Wachtposten zu, den er erblickte. Der Wächter schreckte hoch, denn er hatte unerlaubter weise geschlafen.

Es dauerte einige Zeit, bis der Wachtposten verstand, wovon dieser ungepflegte, nach Schweiß und noch etwas anderem, ihm unbekannten, stinkende Ritter von ihm wollte. Widerwillig ließ er den König rufen. Verschlafen und ungehalten darüber, dass er so früh geweckt wurde kam König Nepumuck auf den Hof. „Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen Ritter … “ „Balduin, mein König“ „Also Ritter Balduin. Was kann es denn so wichtiges geben, dass nicht bis nach dem Frühstück Zeit hätte?“ „Das Leben eurer Tochter! Mein König.“ Sagte Balduin und versuchte dabei möglichst selbstsicher zu klingen. Der König schaute Balduin jetzt hellwach an. Für seine Tochter war er bereit alles in Kauf zu nehmen. Also hörte er sich an, was Balduin zu sagen hatte und schaute anschließend zum Ostturm hoch. „Kannst du deinem Drachen sagen, dass er sich zeigen soll? Ich glaube dir erst, wenn ich ihn mit eigenen Augen gesehen habe.“

Balduin rief ihn. Aber nichts geschah. Wieder rief er, aber jetzt lauter. Noch immer nichts. Der König fing langsam an, sauer zu werden. „Wenn das ein Scherz sein soll, dann ist das ein sehr übler Scherz, für den du teuer bezahlen wirst!“ „Das ist kein Scherz!“ Rief Balduin verzweifelt aus. „Wartet hier, ich laufe hoch und werde ihn holen!“ „Na gut. Ich gebe dir noch fünf Minuten. Wenn ich bis dann noch keinen Drachen gesehen habe, rufe ich die Wachen.“ So schnell ihn seine Beine Tragen konnten lief er wieder den Turm hinauf. Was war nur los? Warum kam Grrraaan nicht?“

Oben angekommen, wurde er mit einem lauten Fauchen begrüßt. Balduin trat erschrocken einen Schritt zurück. „Was ist los Grrraaan? Warum fauchst du mich an?“ Aber er bekam keine Antwort. Auch der Drache war verwirrt. Der Ritter sprach auf einmal in einer Sprache, die er nicht verstand. Da bemerkte er, dass das Säckchen mit dem Stein fehlte. Erschrocken deutete Grrraaan mit seiner riesigen Pranke auf Balduins Gürtel. Balduin verstand die Geste nicht und machte einen Satz zurück. Das Fauchen und die Ruckartige Bewegung ängstigten ihn. Irgendetwas war schief gegangen, aber er wusste nicht was. Dann bemerkte auch er, dass der Stein weg war und ihm wurde schlagartig alles klar. Tränen stiegen ihm in die Augen. Wie sollte er sich denn jetzt mit diesem riesigen Drachen verständigen? Schon hörte er die Schritte der Wachen! Was nun? Hatte der König ihnen die Geschichte von dem Drachen erzählt, oder würden sie ganz unvorbereitet dem Drachen gegenüber stehen und ihn als Gefahr und nicht als Freund wahrnehmen? Er musste sie aufhalten und ihnen alles erklären.

So schnell es ging lief er den Wachen entgegen. „Halt! Geht nicht weiter hoch, Grrraaan ist ein friedlicher Drache, der..“ Weiter kam er nicht. Einer der Wachen hatte ihn nämlich gepackt und schrie ihn an: „Da haben wir dich ja, Bürschchen!“ Im gleichen Moment schrie ein anderer Wache auf: „Ein Drache!“ Langsam gingen die Wachen auf den Drachen zu. Grrraaan hatte sich erhoben und blickte die Wachen argwöhnisch an. Rauch Quoll aus seinen Nüstern. „Tut ihm nichts! “Rief Balduin verzweifelt. Doch niemand achtete mehr auf ihn. Die Wachen versuchten den Drachen einzukreisen, aber Grrraaan war auf der Hut und wich weiter zurück und als Warnung blies er einen Feuerschwall aus seinem Mund. Wieder rief Balduin: „Lasst den Drachen in Ruhe, er ist hier um…“ Aber Balduin wurde grob weggestoßen. Balduin war verzweifelt. Er hatte nicht wirklich Angst um Grrraaan. Die Wachen waren für ihn keine wirkliche Gefahr, aber die Wachen würden einen Angriff gegen ihn nicht überleben und dann würde die Drachenjagt wieder beginnen.

Bei diesem Gedanken krampfte sich sein Herz zusammen und er dachte. „Fliehe Grrraaan!“ Als ob der Drache ihn verstanden hätte, stieß er sich ab und flog hoch. Immer höher schraubte er sich in die Luft, bis er nur noch ganz klein zu erkennen war. Balduin spürte Verwirrung und Zorn. Aber diese Gefühle kamen nicht von ihm. Und plötzlich hörte er eine Stimme in seinem Kopf. „Was soll das?“ Konnte das sein? Das war Grrraaan, der da sprach! „Grrraaan! Ich kann dich in meinem Kopf hören! Ich habe den Stein verloren, aber ich höre dich in meinem Kopf!“ „Ich kann dich auch hören!“ „Wie kann das sein?“ Fragte Balduin verwirrt. „Ich glaube, dass wir uns über unsere Herzen verständigen können? Der Stein ist wertvoll, weil er eine starke Macht besitzt, aber du brauchst ihn nicht mehr, um mit mir zu reden!

Was ist los, warum greifen die mich an? Was hast du denen erzählt?“ „Alles ist schief gelaufen. Der König glaubt mir nicht, weil du dich nicht gezeigt hast, als ich dich rief. Er gab mir fünf Minuten Zeit. Als du danach noch nicht zu sehen warst, hat er mir die Wachen hinterher geschickt. Die wissen nichts von dir und halten dich für ein Monster.“ „Na dann sieh mal zu, wie du das wieder in Ordnung bringst. Ruf mich, wenn du Hilfe brauchst. Aber denk daran, dass du aus deinem Herzen heraus sprechen musst, damit ich dich verstehe!“ Mittlerweile hatte sich der erste Schreck wieder gelegt und den Wachen viel ihr eigentlicher Auftrag wieder ein. Noch bevor Balduin sich aufrappeln konnte hatten sie ihn gepackt. Unsanft wurde er die Treppen hinunter geschleift. Balduin hoffte, dass der König noch draußen war und den Drachen gesehen hatte. Doch zu seinem Unglück war er nicht mehr dort und so wurde Balduin in einen Kerker gesperrt.

Als der König Nepumuck erfuhr, dass dort oben auf dem Turm ein Drache gesessen hatte ließ er sofort den gefangenen Ritter holen. „Du hast war gesprochen mein Sohn und ich habe dir nicht geglaubt. Verzeih mir bitte. Bist du und dein Drache trotzdem noch bereit, meiner Tochter zu helfen?“ „Ja, mein König“ Sagte Balduin erleichtert. „Gut, dann sag mir, was zu tun ist.“ Einige Minuten später lag Prinzessin Seraphina auf einer Bahre im Hof, umringt von ihrer Familie und der Heilerin. Balduin rief den Drachen und diesmal musste er gar nicht lange warten, bis Grrraaan zum Vorschein kam. Als er geschmeidig auf dem Hof landete, ging ein Raunen durch die Anwesenden. So ein großes Wesen hatte noch keiner von ihnen gesehen.

Langsam, darauf bedacht die Menschen nicht zu sehr zu ängstigen ging Grrraaan auf die Bahre zu. Angekommen neigte er seinen Kopf über die Sterbenskranke und schnüffelte. Dann hob er seine Pranken und schnitt sich mit seinen scharfen Krallen in den Unterarm und hielt ihn dicht an den Mund der Prinzessin. Ein dicker Blutstropfen löste sich und tropfte ihr auf die blassen Lippen. Alle hielten gespannt den Atem an. Es dauerte nur einen kleinen Augenblick, doch dann bekam sie langsam wieder Farbe und ihre Augen begannen zu flackern. Die Königin beugt sich zu ihr hinunter und streichelte zärtlich ihre Wangen. „Seraphina, mein kleiner Schatz. Kannst du mich hören?“ Und tatsächlich sie öffnete die Augen und schaute ihre Mutter fragend an. „Was ist los und wo bin ich?“ Überglücklich nahm die Königin ihre Tochter in den Arm und schluchzte vor Erleichterung. Auch der König und ihre Schwestern drängten sich dicht an die genesene Prinzessin und lachten und weinten gleichzeitig!

Vor lauter Freude hatten sie Balduin und den Drachen total vergessen. Sie standen ein wenig abseits und betrachteten das geschehen mit Erleichterung. „Ich glaube, für uns gibt es hier vorerst nichts mehr zu tun. Lass uns ein ruhiges Plätzchen suchen und eine Runde schlafen.“ Dagegen hatte Balduin nichts einzuwenden. Erst jetzt merkte er, wie müde er eigentlich war. Also kletterte er auf den Hals seines Freundes, als eine laute Stimme ihn zurückhielt. „Wo wollt ihr hin meine Freunde? Ihr könnt doch nicht einfach wegfliegen, bevor ich euch gedankt habe!“ Verlegen drehte Balduin sich zum König um und sagte: „Wir haben seit Tagen kaum geschlafen und müssen uns dringend ausruhen.“

„Das kann ich gut verstehen.“ Sagte König Nepumuck „Ich weiß zwar nicht wie die Schlafgewohnheiten eines Drachen sind, aber wir werden alles tun, um es ihm so bequem wie möglich zu machen. Und für dich lasse ich ein Zimmer herrichten.“ Also stieg Balduin wieder ab. Froh darüber nicht schon wieder fliegen und auf hartem Boden schlafen zu müssen. Für Grrraaan wurde der Hof mit Stroh ausgelegt und Balduin bekam ein wunderschönes fürstliches Zimmer. Die Wachen wurden angewiesen, niemanden in den Hof zu lassen, damit der Schlaf des Drachen nicht gestört wurde. Grrraaan rollte sich auf dem Stroh zusammen und seufzte behaglich. So bequem hatte er schon ewig nicht mehr geschlafen. Auch Balduin streckte sich in seinem Bett aus. Eigentlich erwartete er, sofort ein zu schlafen, aber er konnte nicht. Irgendwas fehlte. Nachdem er sich einige Zeit hin und her gewälzt hatte wurde ihm klar, was es war.

Also stand er wieder auf und ging in den Hof. Er überlegte, ob er Grrraaan wecken sollte, da vernahm er seine Stimme: „Na mein Kleiner, ich habe mich schon gewundert, wo du so lange bleibst.“ Erstaunt fragte Balduin: „Woher wusstest du, das ich kommen würde?“ „Wir gehören doch jetzt zusammen!“ Sprach der Drache hob seinen Flügel hoch und Balduin schlüpfte glücklich darunter. Es dauerte keine Minute, da waren sie schon eingeschlafen.

Jetzt werdet ihr sicher sagen: „In Wirklichkeit gibt es aber doch gar keine Drachen!“

Seid ihr euch da so sicher? Natürlich gibt es keine Drachen wie es Hunde oder Katzen gibt. Drachen sind körperlos. Sie bestehen aus reiner Energie und jeder kann sie auf seine eigene Art wahrnehmen. Die einen spüren ihre Energie, die Anderen sehen eine Farbe und wieder andere können sie vor ihrem inneren Auge sehen. Ihr müsst nur dazu bereit sein! Wenn ihr sie um Hilfe bittet, dann kommen sie und sind für euch da. Nur muss das in Liebe geschehen und vergesst nicht, euch bei ihnen zu bedanken, denn es sind stolze Wesen, die gewertschätzt werden wollen!

• ENDE •

Eure Yona ♥

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