Ritter Balduin und der Drache! – Teil 3

Müde wandte er sich zum Gehen um, da bemerkte er aus den Augenwinkeln heraus eine Bewegung am Eingang des Stalls. Was war das? Vorsichtig ging er zum Ausgang und lugte um die Ecke. Nichts! Doch! Da am Waldrand! Wieder nur aus den Augenwinkeln hatte er etwas leuchten sehen. Er ging auf die Stelle zu, aber es war nichts zu sehen. Vielleicht war es ja ein Glühwürmchen. Versuchte er sich ein zu reden. So ganz konnte er sich aber nicht überzeugen. Auf dem Weg zur Hütte drehte er sich immer wieder nach allen Seiten um, doch bemerkte er nichts mehr.

In der Nacht träumte er wieder. Er sah ein Licht, genau so, wie abends am Stall. Nur diesmal verschwand es nicht, sonder führte ihn in den Wald.
In der Mitte des Waldes befand sich eine kleine Lichtung und diese Lichtung war erleuchtet, von mehreren sich bewegenden Lichtern. Als Balduin näher kam, sah er, dass es Elfen waren. Sie lachten und tanzten und nahmen Balduin an die Hand.
Nie hatte Balduin sich so leicht gefühlt. Alle Sorgen waren von ihm abgefallen und er tanzte ausgelassen mit ihnen. Später saß er an einen Baum gelehnt und schaute den Elfen zu.
Eine Elfe setzte sich ihm gegenüber und schaute ihm tief in die Augen. Obwohl sie ihre Lippen nicht bewegte, konnte er sie sprechen hören: „Wir wissen, warum du hier bist Balduin. Dein Herz hat dich bis zu uns geführt. Du suchst Hilfe, für deine Prinzessin. Aber das ist nicht alles! Deine Aufgabe ist viel größer.
Wir haben lange darauf gewartet, dass der richtige kommt und den Platz von Dragan einnimmt. Der Stein hat dich erwählt. Jetzt musst du dich der Aufgabe als würdig erweisen. Wir sehen aber immer noch Zweifel in deinem Herzen, die dem Erfolg deiner Aufgabe im Wege stehen. Gib diesen Zweifeln nicht nach. Höre auf dein Herz, nur so wirst du ans Ziel kommen.“
„Aber was für eine Aufgabe wartet denn auf mich? Ich will doch nur die Prinzessin retten!“ Fragte Balduin.
„Deine Aufgabe ist es, den Frieden zwischen den Drachen und den Menschen zu besiegeln. Nach dem schrecklichen Krieg wurde nie Frieden geschlossen. Die Drachen haben sich zurückgezogen und sind seit dem nicht wieder gesehen worden. Mittlerweile haben die Menschen vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Doch es gibt sie noch. Wenn auch nicht mehr sehr viele.

Der Hass schwelt immer noch unter der Oberfläche. Die Gräueltaten, die ihnen angetan worden sind, wurden nicht verziehen. Die Drachen sind zwar sehr edle Wesen, aber auch sehr stolz und leicht zu erzürnen. Auch die Menschen sind nicht bereit, so einfach zu verzeihen. Leicht könnte wieder ein Krieg ausbrechen. Du bist der einzige, der das verhindern kann.“

Balduin schaute die Elfe entsetzt an: „Aber wie soll ich das denn machen. Und warum ausgerechnet ich? Ich bin der größte Feigling, den es in dieser Gegend gibt. Ich konnte mir nicht mal die Gruselgeschichten anhören, die die alte Nehle uns als Kinder immer erzählt hat. Ich bin absolut der Falsche!“
„Du hast den Weg zu uns gefunden, das hat in den letzten Jahren niemand geschafft. Außerdem hat der Stein dich erwählt und die Steine irren nie! Dein Herz wird dir sagen, was du zu tun hast. Vertraue ihm“
Bevor Balduin noch etwas erwidern konnte war die Elfe verschwunden und es war stockdunkel um ihn herum. Verwirrt bemerkte er, dass er nicht mehr an der alten Eiche lehnte, sondern in einem Bett lag. Er hatte also nur geträumt. Balduin wusste nicht, ob er sich freuen sollte oder ob er enttäuscht war. Das Gespräch, oder der Traum hatte ihn ganz schön aufgewühlt. Was sollte er nur davon halten. Am besten sprach er am Morgen mit Druidus darüber. Vielleicht konnte er ihm ja weiter helfen.

Entgegen seiner Erwartungen gelang es Balduin, schnell wieder ein zu schlafen. Doch seine Träume waren wirr und er konnte sich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern. Nur der Erste Traum blieb ihm noch genau im Gedächtnis.
Schnell stand Balduin auf und sah Balduin sich nach dem Alten um, aber er konnte ihn im Haus nicht finden. Schließlich traf er ihn im Stall. Er füllte gerade den Wassertrog auf. Als er Balduin kommen sah, trat er aus dem Stall und begrüßte ihn: „Guten Morgen Herr Balduin. Habt ihr gut geschlafen.“
Etwas verlegen kratzte sich der Ritter den Kopf: „Ähhh, ja. Danke. Ich hatte allerdings einen merkwürdigen Traum.“ In knappen Worten schilderte Balduin dem Alten seinen Traum und schaute ihn erwartungsvoll an.
Eine Weile sagte Druidus nichts, dann nickte er und sprach: „Ja, ja, die Träume! Man sollte ihre Bedeutung nicht unterschätzen. Schon gar nicht, wenn sie von Elfen handeln.
Halte an deinem Vorhaben fest, die Prinzessin zu retten. Denke aber daran, dass die Drachen keine bösen Monster, sondern edle Wesen sind. Sie zu jagen, egal aus welchem Grund ist ein großes Unrecht und die Menschen hier in der Umgebung würden es bitter bereuen müssen. Es muss einen anderen Weg geben. Wenn die Elfen ihn dir nicht genannt haben, werden sie schon ihre Gründe dafür haben. Ich vermute, es ist eine Art Prüfung, die du zu bestehen hast. Sie vertrauen darauf, dass du es ohne ihre Hilfe schaffst. Vertraue auf die Weisheit der Elfen und die Macht des Steines. Mehr kann ich dir dazu auch nicht sagen.“

Nach dem Frühstück ging Balduin in den Wald. Es überraschte ihn nicht, dass er die Lichtung von letzter Nacht fand und setzte sich unter denselben Baum, unter dem er im Traum gesessen hatte. Mit geschlossenen Augen ging er noch mal die letzte Nacht durch. Hatte irgendetwas Wichtiges vergessen? Irgendeinen Wink, wie er weiter vorgehen sollte. Aber ihm viel nichts ein. Also zwang er sich auf zu stehen und zurück zu gehen. Es gab keinen Grund mehr, länger hier zu bleiben. Ganz im Gegenteil. Eine Aufgabe wartete auf ihn.
Nachdem Balduin den Proviant verstaut hatte verabschiedete er sich von Druidus und ritt los. Er lenkte Gundula um den Hain herum auf den Berg zu. Einige Zeit ritten sie am Fuße des Berges entlang. Es war fast Mittag als Balduin eine Spalte entdeckte. Er untersuchte sie und stellte fest, dass der Spalt für ein Pferd genau breit genug war und dahinter ein kleiner Pfad steil bergauf führte. Der weg war sehr steil und voller Geröll, so dass Gundula nur sehr langsam vorwärts kam. Einige Male musste Balduin absteigen und Steine aus dem Weg schaffen.
Drei Stunden später erreichten sie ein kleines Plato auf dem sie Rast machten. Balduin machte sich große Vorwürfe, dass er Gundula diesen steilen Weg zumutete. Aber ohne sie würde er Ewigkeiten brauchen, um oben an zu kommen.
Er war ganz in Gedanken versunken, als Gundula ihn sanft anstupste. „Häh. Was ist? Willst du etwa weiter?“ Gundula nickte mit dem Kopf und Balduin musste lachen. „Du bist das schlauste, treueste Pferd, das es gibt! Na gut, lass uns aufbrechen. Wir haben noch einen langen, steinigen Weg vor uns. Aber ab hier werde ich nicht mehr reiten, sondern vorweg gehen. Das dauert zwar etwas länger, aber für dich ist es nicht so anstrengend. Außerdem tut mir ein Bisschen Bewegung ganz gut.

So führte Balduin sein Pferd also weiter den Berg hoch. Sehr bald schon bereute er jedoch seine Entscheidung. Er war solche Anstrengungen nicht gewohnt und ihm lief der Schweiß in Strömen herunter. Sehnlichst wünschte Balduin sich eine etwas breitere Stelle herbei, auf dem sie sich ausruhen konnten.
Die Sonne begann schon unter zu gehen, da erreichten sie endlich ein Plato. Es war wesentlich kleiner als das erste, aber es reichte Balduin, um sich aus zu strecken und für sein treues Pferd war auch genug Platz.
Am nächsten Morgen erwachte Balduin mit steifen, Gliedern und schmerzenden Muskeln. Wäre der Liegeplatz nicht so verdammt unbequem gewesen, er hätte sich wieder hingelegt und weiter geschlafen. Doch so schnappte er sich schlecht gelaunt die Zügel und wollte los marschieren. Doch Gundula bewegte sich keinen Schritt. „Was ist los alte Dame? Wir müssen weiter?“ Fragte Balduin ungeduldig. Er zog erneut an Gundulas Zügeln, aber sie bewegte sich keinen Zentimeter.

Langsam wurde Balduin sauer. Er hatte doch schon genug Probleme, warum musste sie denn ausgerechnet jetzt bockig werden. Egal was Balduin auch machte, ob er mit Engelszungen auf sie einredete, oder ihr mit dem Schlachthof drohte. Gundula blieb stur.
Ratlos setzte Balduin sich auf einen Felsen und überlegte. Was sollte er machen. Alleine weiter gehen? Was würde dann aus Gundula werden? Gab es hier wilde Raubtiere, die ihr gefährlich werden könnten? Eher unwahrscheinlich. Was wenn sie abhauen würde? Er musste es riskieren.

„OK, du alter Sturkopf. Ich gehe ohne dich weiter. Das Zaumzeug nehme ich dir ab und das Heu lege ich dir hier hin. Teil es dir gut ein. Hier wächst nicht allzu viel Essbares für dich. Dort im Felsen ist eine Kuhle. Da schütte ich dir Wasser rein. Ich komme so schnell wieder wie ich kann. Drücke mir die Hufe, dass ich wieder komme.“
Balduin schlang seinem Pferd die Armen zum Abschied um den Hals schulterte seine Sachen und wanderte los.
Der Pfad wurde immer steiler und enger. Ein Pferd hätte hier unmöglich lang gehen können. „Wie konnte ich dir nur so unrecht tun. Aber Woher wusstest du, dass du nicht weiter kommen würdest? Du hättest den ganzen weg wieder rückwärts zurückgehen müssen. Und das bei diesem steilen Weg. Ich mag gar nicht daran denken.“
So in sein Selbstgespräch versunken stieg er weiter und weiter den Berg hoch. Bald war kein wirklicher Pfad mehr zu erkennen und er begann zu klettern. Erst gegen Mittag gönnte er sich eine Pause.
Nach einer kargen Mahlzeit massierte er sich seine schmerzenden Beine und schaute verzweifelt zur Bergspitze hoch.
Würde er jemals dort oben ankommen. Und wenn ja, würde er dort auch einen Drachen finden? Und was dann? Es waren einfach zu viele Fragen, die er nicht beantworten konnte. Am liebsten hätte er umgedreht und wäre auf dem schnellsten Wege nach Hause geritten. Aber irgendetwas trieb ihn an, weiter zu gehen. Also quälte er sich weiter nach oben. Schritt für Schritt. „Bloß nicht nach oben gucken. Immer nur an den nächsten Schritt denken und an die Prinzessin!“
Die Sonne war noch nicht untergegangen, da erreichte er eine kleine Höhle. Ohne zu zögern ließ er sich auf den Boden sinken, wickelte sich notdürftig in seine Decke und schlief sofort ein.

Der nächste Morgen war noch schlimmer, als der vorherige. Nur Mühsam und unter Schmerzen konnte er sich aufrichten und weiter bergauf klettern.
Er war noch nicht weit gekommen, da hörte Balduin ein Brüllen und einen markerschütternden Schrei. Er schaute nach unten, konnte aber nichts sehen. Da! Wieder! Es hörte sich an, wie ein angsterfülltes Wiehern. Oh Gott das war Gundula!
Verzweifelt versuchte er, etwas zu sehen, aber die Felsen verdeckten das Plato, auf dem er sein Pferd zurück gelassen hatte.
Es dauerte nicht lange, da sah er ihn. Ein riesiger Drache kam auf ihn zu geflogen. Seine Schuppen glänzten in der Sonne golden und aus seinem Maul kam ein großer Feuerstrahl.
Balduin war starr vor Angst. Dieses riesige Monster hatte sein Pferd gefressen und jetzt kam es, um auch ihn zu holen. Er schloss die Augen und wartete auf seinen Tod. Aber nichts geschah. Vorsichtig öffnete Balduin ein Auge, dann das andere. Der Drache war weg. Er musste über ihn hinweg geflogen sein. Vorsichtig sah er hinauf und dort saß er. Kein 100 Meter entfernt auf einem Vorsprung und schaute ins Tal herunter.

Balduin packte eine kalte Wut. Dieses Ungetüm hatte sein Pferd getötet. Seine beste Kameradin. Und jetzt saß er da und leckte sich genüsslich die Lippen. Ihm war klar, dass er nur eine minimale Chance hatte, aber er wollte sich an dem Drachen rächen. Niemand tötete ungestraft sein Pferd.
Angestachelt von dieser Wut kletterte er vorsichtig weiter. Sein Plan war, den Drachen von hinten an zu greifen. Dafür kletterte er in einem weiten Bogen um das Ungetüm herum. Wundersamer Weise gelang es ihm, vom Drachen unbemerkt bis zu ihm hinauf zu klettern.
Während des Aufstiegs hörte er immer wieder Stimmen in seinem Kopf, die ihn warnten, den Drachen nicht an zu greifen. Aber er überhörte sie.
Nun stand Balduin direkt hinter dem Untier und zog vorsichtig sein Schwert aus der Scheide. Wieder hörte er eine Stimme in seinem Kopf: „Folge deinem Herzen“ Für einen Moment war er versucht, der Stimme nach zu geben und in sich hinein zu horchen. Aber er ahnte, dass er es dann nicht mehr über sich bringen könnte, ein Wesen zu verletzen, geschweige denn zu töten.

Also verschloss er sein Herz, holte aus und… In dem Moment wo er zuschlagen wollte. Peitschte der Schwanz des Drachen auf den Ritter nieder und schleuderte ihn gegen den Felsen. Sein Schwert flog im hohen Bogen davon und er war völlig schutzlos dem riesigen Drachen ausgeliefert. Noch während Balduin flog. Drehte sich der Drache um und war mit einem Satz über ihn.
Ein grausiger Laut kam aus der Kehle des Drachen. Es war das gleiche Brüllen, das Balduin vorhin gehört hatte, nur viel lauter.
Der Drache hob den Kopf, atmete tief ein und Balduin war klar, dass das Ungetüm gleich Feuer spucken und ihn bei lebendigem Leibe rösten würde.
„Nein, Bitte nicht!“ Rief der Ritter aus Leibeskräften. Nicht das er wirklich glaubte, es würde etwas nützen, aber tatsächlich der Drache hielt erstaunt inne.
Er hatte vor lauter Verwunderung ganz vergessen, dass seine Lungen voller Luft waren und er verschluckte sich. Um die aufgestaute Luft los zu werden bäumte er sich erneut auf und hustete kräftig. Ein heißer Feuerschwall fuhr direkt neben Balduin in den Felsen und ließ ihn schmelzen….

(Fortsetzung folgt)

Eure Yona ♥

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